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Ein niedriger, rundlicher Futteranschieberoboter fährt nachts am Fressgitter eines Milchviehstalls entlang und schiebt eine Silagekante zu den Kühen, die ihre Köpfe durch das Gitter strecken.
Futteranschieberoboter Milchviehstall

9,30 Euro je Kuh und Jahr: Was ein Futteranschieberoboter im Stall wirklich verändert

Eine Landesforschungsanstalt hat den Roboter gegen den Hofschlepper gerechnet und kam auf fast denselben Betrag. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern darin, ob das Anschieben um 22 Uhr stattfindet — und in einer Metallschiene, die vorher niemand eingeplant hat.

werob· Systems integrator for robotics· 11. September 2026

Von allen Arbeiten im Milchviehstall ist das Futteranschieben die unscheinbarste: dreieinhalb Minuten mit dem Hofschlepper, sechs Mal am Tag, damit die Kühe wieder an die Ration kommen, die sie selbst weggeschoben haben. Genau deshalb fällt es aus. Eine Kalbung, eine Störung im Melkstand, ein fehlender Mitarbeiter am Abend, und das Anschieben um 22 Uhr findet nicht statt. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern hat im Mai 2024 den Roboter gegen den Schlepper gerechnet, sechs Hersteller nach ihren technischen Daten befragt und ein Ergebnis veröffentlicht, das für einen Betreiber nützlicher ist als jeder Prospekt: Der Roboter kostet fast genau dasselbe. Was er verändert, steht nicht in der Kostenzeile.

Key Takeaways

Eine Arbeit, die dreieinhalb Minuten dauert und trotzdem ausfällt

Wer eine Totale Mischration einmal oder zweimal am Tag vorlegt, baut einen Futterberg, der nach dem Hauptfressen so weit von der Fressplatzkante wegliegt, dass die Kühe ihn nicht mehr erreichen. Dazu sortieren sie und schieben das Futter selbst weg. Deshalb wird angeschoben: konventionell mit einem Hofschlepper und Kehrreifen, Schiebeschild oder Futterschnecke, in einer festen Arbeitsroutine, sechs- bis zwölfmal am Tag.

Die LFA MV hat gemessen, was das kostet, und die Zahl ist klein: Versierte Schleppernutzer brauchen rund 3,5 Arbeitskraftminuten, um das Futter auf beiden Seiten eines Futtertischs anzuschieben, Wege, Ein- und Aussteigen und An- und Abbau des Geräts eingeschlossen. Das ist keine Aufgabe, die jemand aus Zeitgründen streicht.

Sie fällt trotzdem aus, und zwar nicht, weil sie lang ist, sondern weil sie unwichtig wirkt. Die Landesforschungsanstalt beschreibt den Mechanismus nüchtern: Eine Kalbung, eine Havarie im Melkstand oder der allgemeine Arbeitskräftemangel unterbrechen die Routine, „und das eine oder andere Anschieben fällt aus“. Viele Betriebe arbeiten mit wechselndem Personal, und ob das Anschieben in den Abendstunden tatsächlich stattfindet, wenn kein Herdenmanager mehr da ist, weiß am nächsten Morgen niemand.

Warum die Häufigkeit die eigentliche Stellgröße ist

Der Betrieb würde das nicht bemerken, wenn es keinen Unterschied machte. Die LFA MV zitiert dazu zwei Befunde, die zusammen den Fall für den Roboter tragen. Nydegger et al. (2005) untersuchten den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Anschiebens und der Leistung und stellten fest, dass Trockenmasseaufnahme und Milchleistung bei mindestens sechsmaligem Anschieben pro Tag deutlich höher liegen als bei viermaligem. Und nach Bonsels (2019) nehmen Kühe knapp die Hälfte der benötigten Futtermenge in der Nacht auf.

Das zweite ist der Punkt, den eine Tagesroutine nicht abdeckt. Die Anschiebevorgänge, die am ehesten ausfallen, sind die abends und nachts — genau die, in denen die Hälfte des Futters aufgenommen wird. Und die Tiere, die es zuerst trifft, sind die, die ohnehin zuletzt an den Tisch kommen: Die LFA nennt rangniedere und erstlaktierende Kühe.

Ein Roboter ändert daran nichts Technisches. Er ändert, dass die Frage „wurde um 22 Uhr angeschoben“ nicht mehr gestellt werden muss.

Die Rechnung: 8,38 gegen 9,30 Euro

Die LFA MV hat den Vergleich an einem Praxisbetrieb aufgemacht, der beide Verfahren gefahren hat: 330 Milchkühe, ein Stall mit einem Hauptfuttertisch. Die Annahmen sind offen gelegt und lassen sich auf den eigenen Betrieb übertragen.

  • Konventionell: Schlepper für 30.000 Euro, acht Jahre Nutzungsdauer, 3,5 Prozent Zinsansatz, 3,5 Arbeitskraftminuten je Vorgang, sechs Vorgänge am Tag, 20 Euro je Arbeitskraftstunde, 4 Prozent der Anschaffungskosten für Reparaturen, 12 Liter Diesel je Stunde. Der Schlepper ist rund 14 Stunden am Tag auf dem Hof im Einsatz, und nur 3 Prozent dieser Zeit entfallen auf das Anschieben — nur dieser Anteil wird umgelegt.
  • Automatisch: Roboter für 20.000 Euro, 7 Prozent Abschreibung, 3,5 Prozent Zins, 3 Prozent Reparaturen, 800 Kilowattstunden Strom im Jahr zu 0,25 Euro, und 30 Arbeitskraftminuten je Woche.

Das Ergebnis: 8,38 Euro je Kuh und Jahr für das sechsmalige Anschieben mit dem Schlepper, 9,30 Euro für den Roboter. Die LFA nennt den Roboter „nur unwesentlich teurer“, mit dem Zusatz, dass er, entsprechend eingestellt, öfter als sechsmal am Tag schiebt, „und das mit relativer Sicherheit auch nachts“.

Die 30 Minuten pro Woche in der Roboterzeile lohnen einen zweiten Blick. Sie stehen für Wartungs- und Reinigungsarbeiten und „das In-Gang-Setzen nach einem Stillstand“. Die Landesforschungsanstalt kalkuliert also einen Roboter ein, der gelegentlich steht und wieder angestoßen werden muss. Das ist realistischer als jede Verfügbarkeitszahl aus einem Datenblatt, und es ist der Grund, warum der Einwand „der Schlepper steht ja sowieso da“ nicht das letzte Wort hat: Die LFA hält ihm entgegen, dass die Kühe zu jeder Tageszeit versorgt sind, „wenn die Anzahl der Havarien im Rahmen bleibt“. Was ein solcher Stillstand im Betrieb kostet und wer ihn behebt, behandelt Fortschrittserkennung als Betriebskennzahl für Serviceroboter allgemein.

Walze oder Trommel: zwei Maschinen, zwei Wirkungen auf die Ration

Sechs Anbieter hat die LFA nach ihren technischen Daten befragt, und die Systeme unterscheiden sich zuerst in dem, was sie mit dem Futter tun.

Die Walze mischt die anzuschiebende Ration bei jedem Vorgang durch und schiebt sie in Richtung Fressplatzkante. So arbeiten der Butler von Wasserbauer und der OptiDuo von DeLaval. Die Trommel schiebt das Futter kompakt zur Kante, ohne es aufzulockern: Moov 2.0 von JOZ, Stallboy feed von Hetwin, Faro von Schauer, Juno von Lely.

Beide Bauarten schieben dynamisch an, was nach LFA dann zählt, wenn Futter mit unterschiedlicher Struktur — Heu, Stroh, Frischgras, TMR — und in wechselnden Mengen am Tisch liegt. Einige Systeme bieten zusätzlich eine Kraftfutter- oder flüssige Lockfuttergabe an (Wasserbauer, Hetwin, DeLaval, Faro).

Für die Entscheidung ist die Frage nach dem Mischen keine Nebensache. Wer eine TMR vorlegt, die gegen Selektion ausgelegt ist, will sie am Tisch womöglich nicht noch einmal durchgemischt haben. Wer Grundfutter und Kraftfutter getrennt vorlegt, will es vielleicht gerade. Diese Entscheidung ist eine Fütterungsfrage, keine Roboterfrage, und sie sollte vor dem Angebot getroffen sein.

Die Navigation entscheidet, was am Stall gebaut wird

Der Teil des Vergleichs, der in Prospekten am kürzesten ausfällt, ist der wichtigste für die Inbetriebnahme: Woran orientiert sich die Maschine. Die LFA listet drei Verfahren.

  • Im Boden versenkte Magnete — Butler Gold, Stallboy feed. Die Spur ist fest; der Butler versetzt sie je nach Futtermenge selbstständig, bei übergroßen Mengen wird die Montage einer zweiten Magnetspur empfohlen.
  • Induktionssensoren — Moov 2.0.
  • Ultraschall am Fressgitter oder Nackenrohr — Juno. Der Roboter tastet sich am Gitter entlang. Außerhalb des Stalls, wo kein Gitter ist, muss deshalb eine Metallschiene aufgedübelt werden, damit er sich auch dort orientieren kann.

Das ist die Zeile, an der ein Projekt hängt: Wer den Roboter über den Hof in einen zweiten Stall schicken will, baut je nach System eine Magnetspur oder eine Schiene. Alle aufgelisteten Roboter können laut LFA mehrere Ställe bewirtschaften; die Hersteller nennen 500 bis 1.000 Meter maximale Fahrstrecke je Runde, und die Steigfähigkeit liegt je nach Hersteller zwischen 10 und 15 Prozent. Der Weg zwischen den Ställen ist damit eine Planungsgröße mit Länge, Gefälle und Belag, keine Selbstverständlichkeit.

Dazu kommt die Ladestation. Die LFA nennt unter den sechs Fragen vor der Auswahl ausdrücklich, ob sich die Station sinnvoll im Stall integrieren lässt und ob sie Schutz vor Regen und Sonne braucht — und wie groß die Wegstrecke ist, die der Roboter vor dem Laden zurücklegen kann. Dass Standortkonfiguration ein Asset des Gebäudes und nicht des Roboters ist, gilt im Stall genauso wie im Bürogebäude, das der Beitrag zu Roboter-Markern beschreibt.

Was passiert, wenn mehr Futter liegt, als der Roboter schafft

Die interessanteste Frage der LFA ist die nach dem Fehlerfall, und die Antworten der Hersteller sind verschieden. Der Faro von Schauer erkennt über eine Überstromerkennung, dass er nicht durchkommt, und startet ein Ausweichmanöver. Der Butler versetzt seine Fahrspur. Der Moov 2.0 bewegt laut Hersteller bis zu 120 Kilogramm; liegt mehr, umfährt er den Haufen und arbeitet ein Stück weiter.

Für den Betrieb heißt das: Der Roboter ersetzt nicht das Vorlegen, und er räumt keine Fehler des Vorlegens aus. Die Praxisberichte, die agrarheute am 5. Januar 2025 aus einer Umfrage unter Landwirten zusammengetragen hat, drehen sich genau um diesen Punkt: Nutzer eines Juno 100 berichten von zu großen Futtermengen und wiederholten Störungen; ein Wasserbauer-Nutzer aus den Jahren 2018 bis 2020 von großen Mengen, Softwarefehlern und defekten Displays. Auf der anderen Seite steht ein Betrieb, dessen Juno nach 14 Jahren mit minimalen Reparaturkosten „ziemlich gut“ läuft, und ein Moov-Nutzer, der für 60 Kühe stündlich schieben lässt und „selten Probleme“ hat.

Die Spanne ist kein Widerspruch. Sie beschreibt, was die 30 Minuten pro Woche in der LFA-Kalkulation bedeuten: An einem Tisch mit gleichmäßiger Vorlage bleiben sie ungenutzt, an einem Tisch mit Bergen werden sie zu Stunden.

Die Kaufentscheidung ist die Werkstatt, nicht die Maschine

Die Grundpreise, die die LFA nennt, liegen eng beieinander: Butler Gold von Wasserbauer 19.500 Euro, Lely Juno rund 22.500 Euro inklusive Fracht, Installation und Erstprogrammierung, Moov 2.0 von JOZ ab 17.450 Euro, mit Heber und Türöffner 1.550 Euro mehr. Bei diesen Abständen entscheidet der Preis nichts.

Was entscheidet, formuliert die Landesforschungsanstalt ungewöhnlich deutlich: „Die allerwichtigste Frage ist jedoch, ob für den jeweiligen Favoriten auch ein Händler und ein zuverlässiges Serviceteam zur Verfügung steht.“ Die Landwirte in der agrarheute-Umfrage kamen unabhängig davon zum selben Ergebnis: Die Nähe des Service war der wichtigste Kauffaktor, vor jeder technischen Angabe.

Der zweite Satz der LFA gehört daneben: Wenn in Robotik investiert wurde, „muss diese auch genutzt werden, was bedeutet, dass man sich selbst mit der Technik vertraut machen muss“. Ein Anschieberoboter, der nach dem ersten Stillstand zwei Wochen in der Ecke steht, weil niemand weiß, wie man ihn wieder anstößt, ist die teuerste Variante des Vergleichs — und die einzige, die in keiner Tabelle vorkommt.

Grenzen: was diese Rechnung nicht abdeckt

Drei Einschränkungen, damit die Zahlen nicht mehr tragen müssen, als sie können.

Die Kalkulation gilt für einen Betrieb. 330 Kühe, ein Hauptfuttertisch, ein vorhandener Schlepper. Auf einem Betrieb mit 80 Kühen verteilt sich der Roboter auf weniger Tiere, und der Schlepper auf weniger Anschiebevorgänge; die LFA legt die Annahmen offen, damit man sie ersetzt, nicht damit man das Ergebnis übernimmt.

 

Die Entmistung ist die andere Runde im Stall, und für sie gibt es diesen Vergleich nicht. Sammel- und Schieberoboter für Laufgänge werden von denselben Herstellern angeboten und fahren nach demselben Prinzip eine feste Runde. Eine unabhängige Kostenrechnung wie die der LFA für das Anschieben ist uns dafür nicht bekannt; wer beide Runden automatisieren will, rechnet die zweite selbst.

 

Die Herstellerangaben in der Übersicht sind Herstellerangaben. Reichweite, Steigfähigkeit und Preise stammen aus der Befragung der sechs Anbieter durch die LFA, nicht aus einer Messung. Was gemessen ist, sind die 3,5 Minuten am Schlepper und die Kostenzeile — und die genügen für die Entscheidung, die tatsächlich ansteht.

FAQ

Lohnt sich ein Futteranschieberoboter gegenüber dem Hofschlepper?
Nach der Kalkulation der LFA MV vom 13. Mai 2024 kostet das sechsmalige Anschieben mit dem Schlepper 8,38 Euro je Kuh und Jahr, der Roboter 9,30 Euro. Wirtschaftlich ist das ein Gleichstand. Der Unterschied liegt darin, dass der Roboter öfter und auch nachts schiebt — und nach Bonsels (2019) nehmen Kühe knapp die Hälfte des Futters nachts auf.
Wie oft sollte Futter angeschoben werden?
Nydegger et al. (2005) fanden bei mindestens sechsmaligem Anschieben pro Tag deutlich höhere Trockenmasseaufnahme und Milchleistung als bei viermaligem. Die LFA nennt sechs bis zwölf Vorgänge am Tag als Praxis; ein Roboter lässt sich auf mehr als sechs einstellen.
Welchen Umbau braucht ein Anschieberoboter im Stall?
Das hängt von der Navigation ab: Magnete im Boden (Butler Gold, Stallboy feed), Induktionssensoren (Moov 2.0) oder Ultraschall am Fressgitter (Juno). Beim Juno muss außerhalb des Stalls eine Metallschiene aufgedübelt werden. Dazu kommt eine Ladestation, die im Stall Platz findet und je nach Standort vor Regen und Sonne geschützt sein muss.
Kann ein Roboter mehrere Ställe bedienen?
Laut LFA alle aufgelisteten Systeme. Die Hersteller geben 500 bis 1.000 Meter maximale Fahrstrecke je Runde an und eine Steigfähigkeit von 10 bis 15 Prozent. Der Weg zwischen den Ställen ist damit mit Länge, Gefälle und Belag zu planen, nicht vorauszusetzen.
Was ist das wichtigste Auswahlkriterium?
Die LFA MV nennt es die „allerwichtigste Frage“: ob für das gewählte System ein Händler und ein zuverlässiges Serviceteam in der Nähe stehen. Die Landwirte in der agrarheute-Umfrage vom Januar 2025 nannten unabhängig davon die Servicenähe als wichtigsten Kauffaktor — vor jeder technischen Angabe.

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