- Gibt es in Deutschland überhaupt noch Bergbau?
- Ja, nur nicht den, den man vor Augen hat. Die Steinkohle endete 2018. Weiter läuft die Gewinnung von Steinen und Erden in großem Maßstab, dazu Kali und Salz, Braunkohle und eine sehr große Daueraufgabe in der Nachsorge. Nach Verbandsangaben des MIRO gewinnen rund 2.700 Werke in etwa 1.600 Unternehmen jährlich knapp 500 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen, und das noch ohne Braunkohle, Kali und Salz. Hinzu kommt die RAG mit rund 110 Millionen Kubikmetern Grubenwasser im Jahr an zwölf Standorten, eine Aufgabe ohne Enddatum.
- Warum ist Robotik unter Tage schwieriger als in der Fabrik?
- Weil fast nichts verfügbar ist, worauf man sich über Tage verlässt. Unter Tage gibt es kein GNSS, die Navigation läuft also über SLAM und infrastrukturgestützte Ortung. Die Kommunikation geht über Leckwellenleiter, Untertage-WLAN oder 5G mit begrenzter Bandbreite. Staub, Wasser und Vibration sind Dauerzustand. Die Bewetterung bestimmt, wo man überhaupt sein darf. Und ein liegengebliebenes Fahrzeug blockiert die einzige Strecke, die es gibt, was die Bergung zu einem völlig anderen Problem macht als in einer Lagergasse.
- Was bedeutet ATEX für die Hardwareauswahl?
- In schlagwettergefährdeten Bereichen entscheidet es sie. Die Richtlinie 2014/34/EU definiert die Gerätegruppe I eigens für schlagwettergefährdete Grubenbaue, mit den Kategorien M1 und M2, die festlegen, wie sich ein Gerät bei Gasdetektion zu verhalten hat. Die meisten gängigen Inspektionsroboter und die meisten gängigen Akkus gibt es in dieser Klasse schlicht nicht. Diese Frage klären wir am Anfang der Spezifikation, weil sie bestimmt, was überhaupt in Frage kommt, und nicht erst, was vorzuziehen wäre.
- Kann eine Drohne oder ein Roboter den Markscheider ersetzen?
- Nein, und das ist in Deutschland eine rechtliche, keine technische Frage. Die bergrechtlich verbindliche Vermessung ist dem Markscheider vorbehalten. Eine SLAM-Punktwolke oder ein photogrammetrisches Volumen ist hervorragend für Fortschritt, Haldenabgleich und für die Kartierung von Grubenbauen, die niemand betreten kann, und sie ist viel häufiger verfügbar als eine förmliche Vermessung. Verbindlich bleibt aber die des Markscheiders, und wer diese Grenze verwischt, verkauft Ihnen ein Problem.
- Von welchen Systemen reden wir konkret?
- Von realer, ausgelieferter Automatisierung: Sandvik AutoMine und Epiroc für autonomen und ferngesteuerten Transport und für Bohrgeräte, Innok Robotics aus Regensburg, dessen INSPECTOS-Plattformen im Salzbergwerk K+S Werra die Infrastrukturüberwachung fahren, Exyn und Emesent Hovermap für SLAM-Kartierung unter Tage ohne GNSS sowie UNEXMIN GeoRobotics für geflutete Grubenbaue, das unter anderem die Käfersteige bei Pforzheim und Gehren bei Ilmenau vermessen hat. Eine Präzisierung, die sich lohnt: Der ANYbotics ANYmal X ist ATEX-zertifiziert, aber für Zone 1 IIB, also Gerätegruppe II für die Industrie über Tage. Für schlagwettergefährdete Grubenbaue braucht es Gruppe I, und die trägt heute kein kommerzieller Laufroboter.
- Wo hört werob auf und wo fängt wedrone an?
- Unter Tage und am Boden ist es werob: Transport, Bohren, Inspektionsrunden, Kartierung, Nachsorge. In der Luft über dem Tagebau ist es wedrone: Halden- und Grubenvermessung, Böschungs- und Strossenkontrolle, Sprengüberwachung und Überwachung von Absetzerbecken. Ein Tagebau will meistens beides, und beides wird gemeinsam spezifiziert. Der dritte Fall sind gefüllte Grubenbaue, und die laufen über die Subsea-Seite.