Betriebssystem
Drei Arten von Arbeitskraft. Ein Auftragsbuch.
Rund 80 Prozent der arbeitenden Menschen weltweit, etwa 2,7 Milliarden, sitzen nach einer Schätzung von Emergence Capital nicht an einem Schreibtisch. Die Software, die ihre Arbeit steuert, kennt bis heute genau eine Art von Arbeitskraft: einen Menschen mit Fahrzeug und Zeitfenster. Inzwischen stehen zwei weitere daneben, und keine Disposition der Welt ist dafür gebaut.
- 80 %
- der Arbeitskräfte weltweit ohne Schreibtisch (Schätzung Emergence Capital)
- 200.000
- professionelle Serviceroboter allein 2024 verkauft, plus 9 Prozent (IFR World Robotics 2025)
- 20.01.2027
- Geltungsbeginn der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230
Ein Auftrag, drei Arbeitskräfte
21:40 Uhr, Störmeldung aus einer Wohnanlage: Der Eingangsbereich ist verschmutzt, morgen früh ist Besichtigung. Heute passiert Folgendes: Jemand ruft an, jemand notiert, jemand disponiert am nächsten Morgen, und irgendwann fährt ein Auto los.
In einer Aufstellung mit drei Arbeitskräften passiert etwas anderes. Ein Agent nimmt die Meldung an, fragt zurück, qualifiziert und legt den Auftrag an. Ein Reinigungsroboter, der ohnehin im Haus steht, fährt die Fläche in der Nacht. Bleibt ein Rest, weil eine Schwelle im Weg ist oder eine Fläche nass gewischt werden muss, geht der Rest an einen Menschen in der Frühschicht, mit Foto, Ort und Restaufwand.
Das ist keine Zukunftsbeschreibung. Jedes der drei Teile existiert einzeln. Was fehlt, ist das Auftragsbuch, das sie zusammen führt.
Warum die vorhandene Software das nicht kann
Field-Service-Software modelliert eine Person, ein Fahrzeug und ein Zeitfenster. Sie kann disponieren, tracken, Anlagen verwalten und abrechnen. Y Combinator beschreibt in seiner Request for Startups genau das als den Stand der Dinge und weist darauf hin, dass diese Branchen das Zehn- bis Hundertfache ihres Softwarebudgets für Arbeit ausgeben.
Ein Roboter passt in dieses Datenmodell nicht. Er hat keine Anfahrtszeit, sondern eine Ladekurve. Er hat keine Krankmeldung, sondern einen Fehlerzustand. Er arbeitet nachts umsonst und tagsüber im Weg. Und er kann einen Auftrag zu 70 Prozent erledigen, was für eine Personalplanung ein undefinierter Zustand ist.
Disposition, wenn die günstigste qualifizierte Ressource eine Maschine ist
Die eigentliche Arbeit steckt nicht in der Zuteilung, sondern in der Übergabe. Ein Auftrag, den ein Roboter zur Hälfte erledigt, muss als Teilergebnis in die Welt kommen: was ist erledigt, was nicht, warum nicht, und was braucht der Mensch, der es zu Ende bringt.
Deshalb ist der Rückfallpfad das eigentliche Produkt. Ein System, das nur den Erfolgsfall kennt, erzeugt in der Praxis mehr Koordinationsaufwand, als es einspart. Wir spezifizieren die Übergabe zuerst und die Autonomie danach.
Sicherheit auf einer geteilten Fläche
Sobald Mensch und Maschine dieselbe Fläche benutzen, ist das keine Betriebsfrage mehr, sondern eine Nachweisfrage. Für fahrerlose Flurförderzeuge und autonome mobile Roboter gilt ISO 3691-4, seit Mai 2024 im Amtsblatt der EU gelistet. Es ist eine Typ-C-Norm, die Personendetektion ist auf Performance Level d nach ISO 13849 auszulegen.
Darüber steht die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Sie wurde am 29. Juni 2023 veröffentlicht und gilt ab dem 20. Januar 2027 anstelle der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Maschinen, die vorher in Verkehr gebracht wurden, genießen Bestandsschutz. Für Betreiber heißt das: Die Frage, wer welche Fläche wann benutzt und wie das dokumentiert ist, wird jetzt beantwortet und nicht 2027.
Nicht verwechseln: ISO 10218 wurde 2025 überarbeitet und betrifft Industrieroboter. ISO 13482 betrifft Roboter mit körperlichem Personenkontakt. Beide werden regelmäßig für Maschinen zitiert, für die sie nicht gelten.
Wie man eine gemischte Belegschaft misst
Roboterverfügbarkeit ist die falsche Kennzahl. Ein Gerät kann 99 Prozent verfügbar sein und trotzdem nichts erledigen, weil die Tür zu war, der Aufzug belegt oder die Fläche zugestellt. Die Kennzahl, die für einen Betrieb zählt, ist die abgeschlossene Aufgabe je Schicht, unabhängig davon, wer sie abgeschlossen hat.
Dafür gibt es keinen Branchenstandard, und wir behaupten auch nicht, einen zu besitzen. Was wir tun: Die Definition der erledigten Aufgabe wird pro Standort festgeschrieben, bevor das erste Gerät fährt, damit hinterher nicht die Messmethode diskutiert wird statt des Ergebnisses.
Die Daten entstehen bei Ihnen
Wer physische Arbeit betreibt, erzeugt die Aufzeichnung, wie die Arbeit tatsächlich abläuft. Diese Aufzeichnung hat kein Modellanbieter und kein Robotikhersteller. Sie ist der Grund, warum Betreiber in dieser Umstellung strukturell besser dastehen, als es zunächst aussieht.
Das gilt allerdings nicht bedingungslos. Sobald Wearables, Kameras oder Ortung Beschäftigte betreffen, ist das in Deutschland mitbestimmungspflichtig: § 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz erfasst technische Einrichtungen, die dazu geeignet sind, Verhalten oder Leistung zu überwachen, und die DSGVO gilt ohnehin. Wer den Betriebsrat erst nach dem Pilotbetrieb einbezieht, baut den Pilotbetrieb zweimal.
Was werob davon heute liefert
werob ist Systemintegrator und kein Softwarehaus mit autonomer Disposition im Markt. Was existiert, ist die Kette davor: eine Spezifikation aus einer Beschreibung in Klartext, die Auswahl passender Hardware aus über 44 Herstellern, die Anbindung an die Systeme, die Sie ohnehin betreiben, und ein Cockpit, in dem der Einsatz sichtbar ist.
Das reicht, um einen Prozess umzustellen, ohne die Systemlandschaft zu tauschen. Ein Betrieb, der im nächsten Quartal anfangen will, braucht keine Plattformentscheidung, sondern eine saubere Aufgabe, einen Rückfallpfad und eine Fläche.
Häufige Fragen
- Ersetzt der Agent die Disposition?
- Nein. Er nimmt Meldungen an, fragt zurück, qualifiziert und bereitet vor. Die Entscheidung, ob ein Auftrag an eine Maschine oder an einen Menschen geht, ist eine betriebliche Entscheidung mit Haftungsfolgen und bleibt beim Betrieb. Alles andere wäre eine Behauptung, die wir nicht belegen können.
- Brauchen wir dafür eine neue Plattform?
- In aller Regel nicht. Der erste Schritt ist eine einzelne, klar umrissene Aufgabe mit definiertem Rückfallpfad, angebunden an das System, das Sie ohnehin betreiben. Eine Replattformierung ist eine Entscheidung, die man nach den ersten drei Monaten Betriebserfahrung trifft und nicht davor.
- Was gilt ab dem 20. Januar 2027 konkret?
- Ab diesem Datum gilt die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 anstelle der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Maschinen, die vorher konform in Verkehr gebracht wurden, dürfen weiter bereitgestellt werden. Praktisch relevant ist der Stichtag deshalb vor allem bei Neubeschaffung und bei wesentlichen Veränderungen an bestehenden Anlagen.
- Wie messen wir, ob es funktioniert?
- An abgeschlossenen Aufgaben je Schicht, nicht an Geräteverfügbarkeit. Die Definition der abgeschlossenen Aufgabe wird vor dem ersten Einsatz je Standort festgelegt. Einen Branchenstandard dafür gibt es nicht, deshalb schreiben wir sie auf, statt sie vorauszusetzen.
- Was ist mit humanoiden Robotern als Arbeitskraft?
- Als allgemein verfügbare Arbeitskraft im Feld gibt es sie nicht. Was heute liefert und gewartet wird, sind spezialisierte Plattformen für Transport, Reinigung, Inspektion und Bewachung. werob ist herstellerunabhängig; ändert sich die Lage, wird sie integriert. Bis dahin planen wir mit dem, was es zu kaufen und zu warten gibt.
Beschreiben Sie den Auftrag, nicht die Technik.
Sieben Sätze reichen. Erste Spezifikation in 48 Stunden, erster Einsatz in acht Wochen.