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Ein Delta-Greifroboter hängt über einem Förderband mit zerdrückten Kunststoffflaschen in einer Recycling-Sortieranlage, darunter Abwurfschächte, die Halle in blaues LED-Licht getaucht.
Sortierroboter Nachsortierung Leichtverpackung

Die letzte Leseposition: Was ein Sortierroboter am Ende der Linie verändert — und was nicht

Ein Entsorger in Swisttal hat 2022 einen Greifroboter nicht an den Anfang seiner Leichtverpackungsanlage gesetzt, sondern ans Ende, dorthin, wo der PET-Strom fast rein ist und jeder Fehlgriff teuer. Der Betreiber sagt selbst, was der Roboter ersetzt und was weiterhin von Hand geschieht.

werob· Systems integrator for robotics· 11. September 2026

Wer einen Sortierroboter kauft, kauft eine Position an einem Band, und die Position entscheidet mehr als die Maschine. Am Anfang einer Sortierlinie ist der Strom gemischt, jeder Griff holt irgendetwas heraus, und ein Fehlgriff kostet wenig, weil dahinter noch zehn Aggregate kommen. Am Ende der Linie ist der Strom fast rein, jeder Griff holt einen Störstoff aus einem fertigen Produkt, und ein übersehener Störstoff geht mit in den Ballen. Die Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG in Swisttal bei Bonn hat 2022 einen Greifroboter in ihre Leichtverpackungsanlage gesetzt, und zwar an diese letzte Position. Das Unternehmen hat den Fall auf seiner eigenen Website beschrieben, mit einer Offenheit, die in Herstellerreferenzen fehlt — bis hin zu dem Satz, dass die Handsortierung trotzdem bleibt.

Key Takeaways

Eine Anlage, die nach zehn Aggregaten noch die Hälfte übrig hat

Die Anlage in Swisttal-Ollheim ist keine Sortierhalle mit einem Band, sondern eine Linie, die Hündgen 2018 „speziell für die sortenreine Trennung von Leichtverpackungsabfällen“ gebaut hat. Der Betreiber nennt die Größenordnungen selbst: eine Jahreskapazität von 240.000 Tonnen, täglich bis zu 500 Tonnen, Anlieferungen aus rund 3 Millionen Haushalten. Das Material läuft mit 3 Metern je Sekunde über die Förderbänder und durch Siebung, Windsichtung, ballistische Separation, Metallabscheidung, Wirbelstromverfahren und Nahinfrarot-Trennung.

Und dann der Satz, der den Rest des Textes trägt: Trotz dieser Verfahrenskette „entstehen immer noch bis zu 50 % Sortierreste“.

Das ist kein Eingeständnis, sondern die Beschreibung dessen, was Leichtverpackung ist: ein Gemisch, das sich mit Maschinen weit, aber nicht vollständig trennen lässt. Alles, was die Aggregate nicht sauber zuordnen, landet entweder im Rest oder — schlimmer — als Störstoff in einer Fraktion, die als Produkt verkauft wird. Die Stelle, an der das zweite verhindert wird, ist die Nachsortierung: die letzte Leseposition, an der Menschen aus einem fast fertigen Strom herausnehmen, was nicht hineingehört.

Die Position, die der Betreiber gewählt hat

Im Jahr 2022 hat Hündgen zusammen mit Bollegraaf Recycling Solutions B.V. aus den Niederlanden ein Projekt zur Integration eines KI-gesteuerten Sortierroboters gestartet. Der Grund steht in einem Satz: „Um unsere Mitarbeiter am Band zu entlasten.“ Und der Ort steht im nächsten: Bollegraaf konnte eine Lösung anbieten, „wie man den Roboter sehr gut in unserer bereits bestehenden Anlage platzieren kann“.

Der Roboter heißt RoBB, und der Betreiber beschreibt seine Aufgabe nicht als Sortieren, sondern als Qualitätskontrolle: „Die letzten Phasen des Sortierprozesses sind entscheidend für die Maximierung der Reinheit des Abfallstroms und die Rückgewinnung der gewünschten Wertstoffe — hierbei kann der RoBB die Qualitätskontrollaufgaben problemlos über die menschlichen Möglichkeiten hinaus durchführen.“ Bollegraaf nennt als konkretes Ziel die Erhöhung der Reinheit des PET-Flaschenstroms.

Die technischen Angaben des Betreibers sind knapp: mindestens 50 effiziente Picks je Minute, ein patentierter Greifer, „der robust Flaschen jeder Form aufnimmt“, und ein KI-gesteuertes Bildverarbeitungssystem, das Artikel „basierend auf chemischer Zusammensetzung, Form und Farbe“ identifiziert und klassifiziert. Chemische Zusammensetzung heißt hier Nahinfrarot: Der Roboter sieht, welcher Kunststoff vor ihm liegt, nicht nur, wie er aussieht.

Was an dieser Beschreibung auffällt, ist, was fehlt. Kein Durchsatz in Tonnen, keine Reinheit in Prozent, keine Aussage darüber, wie viele Personen vorher und nachher am Band standen. Der Betreiber beschreibt eine Position und eine Aufgabe. Das ist weniger, als ein Prospekt verspricht, und mehr, als die meisten Referenzen liefern.

Warum der letzte Griff mehr wert ist als der erste

Die Entscheidung, den Roboter ans Ende zu setzen, folgt einer Rechnung, die in keinem Datenblatt steht und die jeder Anlagenbetreiber im Kopf hat.

Am Anfang einer Linie ist der Strom gemischt. Ein Griff holt ein Objekt aus vielen heraus, und ob er das richtige erwischt, entscheidet wenig, weil dahinter Sieb, Windsichter, Ballistik und Nahinfrarot dasselbe Objekt noch einmal bewerten. Ein Fehlgriff kostet einen Griff. Ein übersehenes Objekt kostet nichts, weil es weiterläuft.

Am Ende der Linie ist der Strom fast rein. Er hat alle Aggregate durchlaufen, jede Tonne hat ihre Verarbeitung bereits gekostet, und was jetzt noch auf dem Band liegt, ist entweder Produkt oder Störstoff im Produkt. Ein Griff holt hier einen Fehler aus einem Ballen, der sonst verkauft — oder zurückgewiesen — würde. Ein übersehenes Objekt läuft nicht weiter, es wird verpresst.

Deshalb ist die Frage nach der Griffrate an der letzten Position eine andere als an der ersten. Vorne zählt, wie viel eine Maschine aus dem Strom holt. Hinten zählt, wie wenig sie übersieht — und wie zuverlässig sie das über eine Schicht tut, in der ein Mensch nach der dritten Stunde nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit hat wie in der ersten. Der Betreiber formuliert genau das, wenn er von Qualitätskontrolle „über die menschlichen Möglichkeiten hinaus“ spricht: nicht schneller als ein Mensch, sondern gleichmäßiger.

Was weiterhin von Hand geschieht

Der bemerkenswerteste Satz auf der Seite des Betreibers steht vor dem Roboter, nicht nach ihm: „Das händische Sortieren von Wertstoffen an der Sortierstraße ist schweißtreibend und nicht gerade die begehrteste Tätigkeit im Recyclingprozess. Trotzdem muss auch diese Arbeit weiterhin von menschlicher Hand ausgeführt werden.“

Ein Unternehmen, das gerade einen Roboter installiert hat, schreibt auf die Seite dieses Roboters, dass die Handsortierung bleibt. Das ist die Aussage, die für eine Beschaffung zählt. Der RoBB übernimmt eine Position — die Qualitätskontrolle eines bestimmten Stroms, hier PET-Flaschen — und der Rest der Sortierkabine arbeitet weiter, mit denselben Menschen, an denselben Bändern, in derselben Schicht.

Für den Schichtplan heißt das etwas Konkretes. Der Roboter entlastet nicht die Kabine, er entlastet eine Leseposition in der Kabine. Die Person, die dort stand, steht danach an einer anderen — oder es steht dort niemand mehr, und die übrigen Positionen sind dieselben wie vorher. Welche der beiden Varianten eintritt, entscheidet nicht der Roboter, sondern wie viele Positionen die Kabine hat und welche davon der Strom mit den teuersten Fehlern ist.

Und es heißt etwas für die Erwartung an die Maschine. Eine Anlage, die nach zehn Aggregaten noch die Hälfte Rest hat, wird durch einen Greifer am Ende nicht zur Anlage mit einem Viertel Rest. Der Roboter verändert die Reinheit eines Produkts, nicht die Ausbeute der Linie. Wer das verwechselt, kauft die richtige Maschine für die falsche Kennzahl.

Was ein Roboter an dieser Position braucht, das ein Mensch nicht braucht

Die Nachsortierung ist für einen Menschen die einfachste Position: Der Strom ist übersichtlich, die Aufgabe ist negativ — herausnehmen, was falsch ist —, und die Objekte sind groß. Für einen Roboter ist sie aus denselben Gründen anspruchsvoll, und die Beschreibung des Betreibers nennt die drei Antworten darauf.

  • Der Greifer. „Flaschen jeder Form“ heißt: zerdrückt, mit Deckel, ohne Deckel, halb gefüllt, ineinander gesteckt. Ein Greifer, der nur eine Form kann, übersieht an dieser Position nicht, er greift daneben — und ein Daneben ist am Ende der Linie ein Störstoff im Ballen. Der patentierte Greifer ist deshalb keine Fußnote, sondern der Grund, warum der Roboter überhaupt an diese Stelle darf.
  • Die Erkennung. Chemische Zusammensetzung, Form und Farbe. An der letzten Position reicht Form nicht, weil eine PET-Flasche und eine PE-Flasche gleich aussehen können. Die Nahinfrarot-Erkennung im Roboter wiederholt an der Leseposition, was die Anlage im Aggregat davor schon einmal getan hat — nur diesmal je Objekt, mit Griff.
  • Der Einbau. Der Betreiber hebt hervor, dass der Roboter in der bestehenden Anlage platziert werden konnte. Eine Anlage von 2018 ist nicht für einen Portalroboter über dem Band gebaut; Höhe, Bandbreite, Abwurfschächte und Zugang für die Wartung sind gegeben, nicht planbar. Dass die Integration in einem Bestand gelang, ist deshalb die eigentliche Referenz, wichtiger als die Griffrate.

Der Einbau in den Bestand ist auch der Teil, der nach der Abnahme nicht aufhört: Jede Anlieferung verändert den Strom, und das Erkennungssystem muss mit ihm mitgehen. Welche Anteile dieser laufenden Arbeit beim Betreiber liegen und welche beim Lieferanten, ist für Gebäuderoboter hier beschrieben und gilt an einem Sortierband nicht weniger.

Wie man diese Referenz für die eigene Anlage liest

Der Fall Hündgen ist nützlich, weil er die richtige Frage stellt, nicht weil er die Antwort für eine andere Anlage liefert. Vier Punkte, in der Reihenfolge, in der sie vor einem Angebot geklärt sein sollten.

  1. Welcher Strom hat die teuersten Fehler? In Swisttal war es PET. Es kann Folie sein, Papier, Getränkekartons. Die Position des Roboters ergibt sich aus dieser Antwort, nicht aus dem Bandplan.
  2. Was kostet ein zurückgewiesener Ballen? Das ist der Wert eines übersehenen Störstoffs, und damit der Wert der Gleichmäßigkeit, die der Roboter liefert. Ohne diese Zahl lässt sich die Griffrate nicht in Geld übersetzen.
  3. Wie viele Positionen hat die Kabine, und welche fällt weg? Der Betreiber in Swisttal sagt, dass die Handsortierung bleibt. Das gilt vermutlich überall; die Frage ist nur, welche Position der Roboter übernimmt und was mit der Person geschieht.
  4. Passt ein Roboter in die bestehende Anlage? Höhe über dem Band, Zugang, Abwurf. Die Referenz beweist, dass es in einer Anlage von 2018 ging. Sie beweist nichts über eine von 2008.

An der letzten Leseposition ist ein Pilot vergleichsweise einfach zu bewerten, weil die Reinheit des Ausgangsstroms ohnehin gemessen wird und vor wie nach dem Roboter dieselbe Zahl ist. Die allgemeinen Fallen eines Robotik-Pilots — Begleitung durch den Hersteller, Tagschicht statt Nachtschicht — gelten trotzdem; wir haben sie gesondert beschrieben.

Grenzen: eine Betreiberseite, keine Messung

Drei Einschränkungen.

Die Quelle ist der Betreiber, und sie ist knapp. Alles hier Zitierte stammt von den Seiten der Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG und, für das PET-Ziel, vom Hersteller Bollegraaf. Eine unabhängige Messung der Reinheit, der Verfügbarkeit oder der Personalwirkung gibt es nicht. Der Fall belegt, dass ein Greifroboter in einer bestehenden deutschen LVP-Anlage seit 2022 an der Qualitätskontrolle arbeitet. Er belegt nicht, wie gut.

 

Die 50 Picks sind eine Mindestangabe des Betreibers, keine Schichtmessung. Wie viele davon an einem Band mit wechselnder Belegung tatsächlich stattfinden und wie viele davon richtig sind, steht nicht auf der Seite. Beides ist die eigentliche Leistungszahl einer Qualitätskontrolle, und beides muss ein Betreiber in der eigenen Anlage selbst messen.

 

Es ist eine Leichtverpackungsanlage. Der Strom, die Objektgrößen und die Fehlerkosten einer LVP-Linie sind andere als die einer Gewerbeabfall- oder Bauschuttaufbereitung. Die Logik der letzten Position gilt überall; die Griffe, die dort nötig sind, nicht. Wer aus Swisttal etwas mitnimmt, nimmt die Frage mit, nicht die Maschine.

FAQ

Gibt es in Deutschland einen Sortierroboter in einer Leichtverpackungsanlage?
Ja. Die Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG in Swisttal-Ollheim hat 2022 mit Bollegraaf Recycling Solutions den Sortierroboter RoBB in ihre 2018 gebaute LVP-Anlage integriert. Der Betreiber beschreibt den Einsatz auf seiner eigenen Website; die Anlage hat eine Jahreskapazität von 240.000 Tonnen.
An welcher Stelle der Linie sitzt der Roboter?
In den letzten Phasen des Sortierprozesses, die der Betreiber als entscheidend für die Reinheit bezeichnet: als Qualitätskontrolle eines fast reinen Stroms, nach Bollegraaf konkret des PET-Flaschenstroms. Nicht am Anfang der Linie, wo das Material noch gemischt ist.
Ersetzt der Roboter die Handsortierung?
Nein. Der Betreiber schreibt auf der Seite des Roboters ausdrücklich, dass die Handsortierung weiterhin von menschlicher Hand ausgeführt werden muss. Der Roboter übernimmt eine Leseposition — die Qualitätskontrolle eines bestimmten Stroms —, nicht die Sortierkabine.
Was leistet der Roboter technisch?
Laut Betreiber mindestens 50 effiziente Picks je Minute, ein patentierter Greifer, der Flaschen jeder Form aufnimmt, und ein KI-gesteuertes Bildverarbeitungssystem, das nach chemischer Zusammensetzung, Form und Farbe klassifiziert. Zahlen zur Reinheit vorher und nachher veröffentlicht der Betreiber nicht.
Warum ist die letzte Position die richtige für einen Greifroboter?
Weil dort jeder Griff einen Fehler aus einem fertigen Produkt holt, dessen Verarbeitung bereits bezahlt ist, und jeder übersehene Störstoff im Ballen landet. Am Anfang der Linie bewerten die nachfolgenden Aggregate ein übersehenes Objekt noch einmal; am Ende nicht. Gleichmäßigkeit über die Schicht ist an dieser Position mehr wert als Geschwindigkeit.

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