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Robotik in der ambulanten Pflege: was heute wirklich funktioniert
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Robotik in der ambulanten Pflege: was heute wirklich funktioniert

4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Weltweit wurden 2024 laut IFR 536 Roboter für die Pflege zu Hause verkauft. Eine ehrliche Bestandsaufnahme, wo Robotik rund ums Älterwerden trägt und wo nicht.

werob Care Desk· Care-vertical specialists at werob· 29. Juli 2026

Zwei Zahlen rahmen jedes ehrliche Gespräch über Robotik und Älterwerden. Im Dezember 2023 wurden in Deutschland 4,9 Millionen Menschen zu Hause gepflegt. 2024 verzeichnete die International Federation of Robotics weltweit 536 verkaufte Roboter für die Pflege zu Hause. Nicht 536 in Deutschland. 536 weltweit. Der Abstand zwischen diesen beiden Zahlen ist keine Lücke, die eine Anschaffung schließt, und er führt auch nicht ins Wohnzimmer. Er führt in das Gebäude drumherum.

Key Takeaways

Zwei Zahlen, die die Diskussion entscheiden

Die deutsche Pflegestatistik ist ungewöhnlich deutlich darin, wo Pflege tatsächlich stattfindet. Ende Dezember 2023 waren knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des SGB XI. 86 Prozent davon, also 4,9 Millionen, wurden zu Hause versorgt. Davon bezogen 3,1 Millionen ausschließlich Pflegegeld und wurden überwiegend von Angehörigen gepflegt, 1,1 Millionen lebten in Privathaushalten und wurden von einem der 15.549 ambulanten Pflegedienste mitversorgt. 800.000 Menschen, also 14 Prozent, lebten in einem Pflegeheim. Alles davon: Destatis, Pressemitteilung 478 vom 18. Dezember 2024, Berichtsjahr 2023.

Dem gegenüber steht eine einzige Zeile aus dem IFR World Robotics 2025, veröffentlicht am 7. Oktober 2025: 536 weltweit verkaufte Einheiten für die Pflege zu Hause im Jahr 2024. Derselbe Bericht zählt für 2024 knapp 200.000 verkaufte professionelle Serviceroboter insgesamt, ein Plus von 9 Prozent, und bei Medizinrobotik ein Plus von 91 Prozent auf rund 16.700 Einheiten. Die Robotik stockt also nicht. Sie findet nur nicht in der häuslichen Pflege statt.

Der Druck bleibt trotzdem real. Destatis rechnet damit, dass der Bedarf an beschäftigten Pflegekräften von 1,62 Millionen im Jahr 2019 auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigt, mit einer Lücke von 280.000 in der Trendvariante und bis zu 690.000 in der Status-quo-Variante. Y Combinator beziffert in seiner Request for Startups zum Thema KI für die alternde Bevölkerung die amerikanische Fassung desselben Problems mit einem von fünf Bürgern über 65 bis 2030 und 53 Millionen Angehörigen, die bereits unbezahlt pflegen. Das sind US-Zahlen und die Sicht eines Wagniskapitalgebers, aber über die Richtung streitet niemand.

Warum die Privatwohnung der schwierigste Raum der Robotik ist

Eine Lagergasse ist eine geplante Umgebung. Eine Privatwohnung ist das Gegenteil davon, und fast jede Annahme, auf die sich ein mobiler Roboter stützt, fällt dort auf einen Schlag weg.

  • Schwellen, lose Teppiche und Türleisten, über die nie ein Rad rollen sollte.
  • Treppen, und Häuser, in denen der Aufzug entweder fehlt oder keine Schnittstelle hat.
  • Möbel, die sich bewegen, weil dort jemand wohnt.
  • Kein Servicetechniker, kein Ersatzgerät und niemand, der die Maschine nachts um drei von einem Hindernis hebt.
  • Das Laden, was banal klingt, bis man fragt, wer es an einem schlechten Tag einsteckt.
  • Und eine Kamera in einer fremden Wohnung, die lange vor der Technikfrage eine Datenschutzfrage ist.

Nichts davon löst ein besserer Navigationsstack. Es löst sich dadurch, dass die Maschine dort noch nicht steht. Die Systeme, die heute durch eine private Wohnungstür kommen, sind die, die am wenigsten erfassen: Sprachassistenten der Art, wie Tinybots sie mit Tessa baut, die an Medikamente, Termine und Nachrichten erinnern, weder Arme noch Kamera haben und vom Pflegeteam aus der Ferne eingerichtet werden. Das ist eine schmale Fähigkeit, und genau deshalb ist sie einsetzbar.

Ein Wort zu den Humanoiden aus den Launch-Videos: Sie sind im Vorbestell- und Pilotstadium. Es gibt keinen Haushalts-Humanoiden, den Sie heute bestellen, im nächsten Quartal in deutschen Wohnanlagen einsetzen und über einen Servicevertrag warten lassen können. Ändert sich das, integriert ein Integrator ihn. Bis dahin heißt Planung mit ihm: Planung mit einer Pressemitteilung.

Was heute funktioniert, eine Ebene höher

Geht man eine Ebene höher, von der Wohnung in das Gebäude drumherum, dreht sich das Bild. Betreutes Wohnen, Service-Wohnen und der operative Unterbau eines ambulanten Dienstes sind strukturierte, besetzte, mit Strom versorgte Umgebungen mit wiederholbaren Wegen. Dort steht die einsetzbare Robotik bereits.

  • Transport im Gebäude. Essen, Wäsche, Verbrauchsmaterial und Sendungen zwischen Verteilerküche, Lager und Etagen. Abschließbare Fächer mit PIN-Übergabe, gekühlt wo Speisen im Spiel sind. Robotise baut mit JEEVES in München genau für diese Wegeklasse; Keenon und vergleichbare Plattformen decken den leichteren Transportfall ab.
  • Gemeinschaftsflächen. Flure, Eingangshallen und Gemeinschaftsräume nachts nach festem Plan. Eine Präzisierung, weil der Markt sie ständig verwischt: Ein Reinigungsroboter reinigt, er desinfiziert nicht. Das Fraunhofer IPA hat das klar gesagt, und die Wischdesinfektion bleibt beim Team.
  • Das Depot. Die unglamouröse Hälfte der ambulanten Pflege. Tourenkisten kommissionieren, Verbrauchsmaterial bewegen, das Lager in Ordnung halten, damit eine Schicht mit einem gepackten Auto beginnt und nicht mit einer Suche.
  • Tagesstruktur per Sprache. In der Wohnung selbst der Assistent, der spricht und nicht schaut.

Es lohnt sich zu sehen, was diese vier gemeinsam haben. Keiner berührt einen Menschen, keiner braucht einen Manipulator, und jeder nimmt eine Aufgabe weg, die eine Fachkraft derzeit ohne pflegerischen Grund erledigt.

Was KI zuerst verändert, und es ist nicht die Hardware

Wenn Sie als Träger entscheiden, wohin das Budget der nächsten 24 Monate geht, lautet die ehrliche Antwort: Software bringt mehr zurück als Hardware. Tourenplanung über ein verteiltes Team, Annahme und Ersteinschätzung von Anrufen, Dokumentation, die sich aus dem tatsächlichen Ablauf schreibt, Koordination zwischen ambulantem Dienst und den Angehörigen, die den Großteil der Pflege leisten. Das alles ist heute verfügbar, nichts davon muss eine Schwelle überqueren, und es adressiert die 3,1 Millionen Menschen, deren Versorgung vollständig über Angehörige läuft.

Das ist kein Argument gegen Robotik, sondern eines über die Reihenfolge. Die Gebäude, in denen sich Transport- und Reinigungsroboter rechnen, sind dieselben, in denen sich bessere Disposition rechnet. Und wer die Software zuerst macht, hat eine sauberere Aufgabenbeschreibung, wenn die Hardwarefrage kommt.

Die Integrationsfragen, die niemand beantwortet

Jeder ernsthafte Einsatz im Wohnbestand steht und fällt mit vier Dingen, und keines davon steht in einem Datenblatt.

  • Der Aufzug. Kein Hersteller veröffentlicht ein Aufzugsprotokoll oder benennt einen Aufzugspartner. Im Bestand hat der Aufzug oft gar keine Schnittstelle, und die Anbindung ist ein Engineering-Posten pro Gebäude.
  • Brandschutztüren. Sie schließen konstruktionsbedingt quer zur Route. Ob der Roboter sie anfordern kann, auf sie wartet oder außen herum geführt wird, ist eine gebäudespezifische Antwort.
  • Das Netz. Ein Treppenhaus aus den 1970ern war nicht dafür gebaut, WLAN zu tragen, und Funklöcher sehen im Dashboard exakt aus wie Hardwarefehler.
  • Der Betrieb. Wer lädt, wer räumt frei, wer ist erreichbar, wenn das Gerät um 03:00 Uhr stehen bleibt, und was passiert in der Zwischenzeit mit der Runde.

Genau das ist die Arbeit von werob, und deshalb nennt sich das Unternehmen Integrator und nicht Anbieter. Der Betreiber beschreibt Gebäude und Tour in Klartext, werob schreibt die Spezifikation, wählt Hardware aus über 44 Herstellern aus und bindet sie an die Systeme an, die ohnehin laufen. Erste Spezifikation in 48 Stunden, erster Einsatz in etwa acht Wochen. Den Umfang beschreibt die Lösung Ambulante Pflege & Zuhause; das vollstationäre Haus deckt die Lösung Pflege ab.

Eine kurze Checkliste vor dem ersten Einsatz

Sechs Fragen, die vor jeder Unterschrift beantwortet sein sollten.

  • Welche einzelne Aufgabe, auf welchem Weg, zu welcher Tageszeit? Ein Roboter ohne definierte Aufgabe ist ein Pilot ohne Ende.
  • Was passiert, wenn er auf halber Strecke ausfällt? Der Rückfallpfad ist das eigentliche Produkt.
  • Erfasst irgendetwas Daten innerhalb einer Privatwohnung? Wenn ja, kommt die Datenschutzfolgenabschätzung vor der Hardwareauswahl, nicht danach.
  • Welche Norm gilt? ISO 3691-4 für fahrerlose Flurförderzeuge und mobile Roboter im Flur, ISO 13482 nur bei körperlichem Personenkontakt, und die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ab dem 20. Januar 2027.
  • Wer verantwortet das Gerät im Betrieb, schriftlich, je Schicht?
  • Woran erkennen Sie, dass es funktioniert hat? An erledigten Aufgaben je Schicht, nicht an Geräteverfügbarkeit.

Wer diese sechs Fragen beantwortet, unterscheidet ein einsatzfähiges Projekt von einer Vorführung. Das meiste, was Pflegeträgern derzeit angeboten wird, scheitert schon an der zweiten.

FAQ

Gibt es inzwischen den Pflegeroboter fürs Wohnzimmer?
In kommerziell nennenswertem Umfang nicht. Das IFR World Robotics 2025 verzeichnet für 2024 weltweit 536 verkaufte Einheiten für die Pflege zu Hause, während allein in Deutschland 4,9 Millionen Menschen zu Hause versorgt werden. Privatwohnungen sind unstrukturiert, ohne Service und ohne Aufsicht, und das ist die schwierigste Kombination der mobilen Robotik.
Was ist mit den humanoiden Haushaltsrobotern aus den Videos?
Sie sind im Vorbestell- und Pilotstadium. Es gibt keinen Humanoiden, den Sie heute bestellen, im nächsten Quartal in deutschen Wohnanlagen einsetzen und über einen Servicevertrag warten lassen können. Ändert sich das, integriert ein herstellerunabhängiger Integrator ihn.
Welche Normen gelten für einen Roboter im Pflegegebäude?
Das hängt davon ab, was die Maschine tut. Ein Transport- oder Reinigungsroboter im Flur fällt unter ISO 3691-4, die harmonisierte Norm für fahrerlose Flurförderzeuge und autonome mobile Roboter, seit Mai 2024 im EU-Amtsblatt gelistet. ISO 13482 betrifft Roboter mit körperlichem Personenkontakt und wird regelmäßig für Maschinen zitiert, für die sie nicht gilt. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027.
Desinfizieren Reinigungsroboter?
Nein, sie reinigen. Das Fraunhofer IPA hat das klar gesagt, und die Wischdesinfektion bleibt eine manuelle Aufgabe des Teams. Wer etwas anderes behauptet, beschreibt ein anderes Produkt als das, das geliefert wird.
Womit sollte ein Träger anfangen?
Mit einer klar umrissenen Aufgabe in einem Gebäude, das Sie kontrollieren, einem definierten Rückfallpfad für den Ausfall und einer schriftlichen Definition, was als erledigte Aufgabe zählt. Transport im betreuten Wohnen und nächtliche Reinigung der Gemeinschaftsflächen sind die beiden Wege, die den Kontakt mit dem echten Betrieb am zuverlässigsten überstehen.
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